Wir schauen auf unsere Lebensweise, auf unsere Umgebung, die Gesellschaft, … und spüren, es könnte auch anders sein, freudvoller, menschlicher. Es muß. Denn sonst wird es keine Zukunft geben. Wir wissen, es müssen nun neue Formen gefunden werden von uns Menschen. Wir können nicht die Methoden nutzen, die dazu geführt haben, dass die Welt in und um uns so ist, wie sie ist.

Mit den Worten von Joseph Beuys: „ Die Zukunft, die wir wollen, muß (von uns selbst) erfunden (und gemacht) werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.“  

Eine gemeinsame Sehnsucht und dann eine gemeinsame Vision wird gebraucht. Eine Vision von Generationen verbindendem Wohnen, Leben und Arbeiten. Eine Vision von Gegenseitigkeit und gelebter Verantwortlichkeit für unsere Mitmenschen mit einer bewussten Entscheidung für ein Leben in der Gruppe. In einer Gruppe von Menschen mit derselben Vision und dem Willen, sie zu verwirklichen.

Darin sollte all das, was heute im Argen ist oder verloren gegangen ist, berücksichtigt und geheilt werden.

  • Gemeinsames Arbeiten/ gemeinsame Tätigkeiten zum Wohl der Gemeinschaft

  • bewusste Entscheidung auf Verzicht von Eigentum, wo möglich Verzicht auf persönliches Eigentum an Grund und Boden, Gebäuden, Wohnungen …

  • gemeinsame Ökonomie

  • Interesse an sozialen, gesellschaftlichen gesellschaftspolitischen Anliegen

  • bewusstes Mit-Gestalten der „Welt“

  • Nachhaltiges, ökologisch sinnvolles Verhalten in allen Lebensbereichen

  • alle Generationen leben und wirken zusammen, gemeinsam

Wir stellen uns vor, dass wir die inzwischen übliche Trennung der Generationen aufheben und uns bewusst hinwenden müssen/wollen zu den Bedürfnissen, die Menschen in ihrem jeweiligen Lebensabschnitt haben. Isolation junger alleinerziehender Mütter und deren Überforderung im Alltag, Einsamkeit und „Hilflosigkeit“ älterer und alter Menschen, Kinder und Jugendliche ohne Ansprechpartner, Alleinstehende Menschen/Singles ohne Anschluss an das „Leben“ – das sind Ergebnisse unserer selbst erschaffenen „Kultur“ oder Gesellschaft. Und es ist nicht naturgegeben, sondern von Menschen irrtümlich (oder absichtlich) so gemacht und kann also von Menschen bewusst wieder in Heilung und Veränderung gebracht werden.

Jeder ist wertvoll auf seine Weise 

Das bedeutet dann für uns auch, die Begabungen und Fähigkeiten aller Mitmenschen wahrzunehmen und als Bereicherung in unsere Gemeinschaft aufzunehmen. Was früher im Familienverbund oder in der Dorfgemeinschaft geleistet wurde und heute fast völlig weggefallen ist oder ausgelagert wurde in mehr oder weniger genügende Dienstleistungsbetriebe für die, die sich solche Dienstleistungen leisten können, möchten wir als unsere eigene frei-willige Aufgabe wahrnehmen.

Zweck“ der Gemeinschaft: wir sind füreinander da  – das ist Fürsorge als Lebensprinzip!

Wir wollen dann nicht nur nah beieinander wohnen, um uns gegenseitig wahrzunehmen und uns gegenseitig zu unterstützen. Wir wollen auch gemeinsam ins „Tun“ kommen, gemeinsame Arbeitsfelder aufbauen.

Wir wollen die Trennung von Arbeiten, Leben, Wohnen aufheben, wo es möglich ist. In unserer heutigen Gesellschaft hat man fast vergessen, dass wir immerhin arbeiten, um zu leben, und nicht umgekehrt. Unsere Arbeit wurde zunehmend etwas Fremdes für uns, mit wenig Sinn oder Inhalt für unser Selbstverständnis. Der Wert der Arbeit wird gemessen an dem Geld, welches sie einbringt, inbegriffen des großen Irrtums, unentgeltliche Arbeit sei keine Arbeit und deshalb also ohne großen Wert.

Mütter mit ihrer Erziehungsarbeit, Frauen, die ältere Menschen oder kranke Angehörige pflegen oder Haus und Hof in Ordnung halten, leben oft in Armut und ohne gesellschaftliche Anerkennung. Muss man diese Leistungen allerdings von einem Dienstleister in Anspruch nehmen, bemerkt man schnell, wie kostspielig das ist und dass diese Leistungen nur von jemandem bezahlt werden können, der überdurchschnittlich Geld verfügbar hat. Die Folgen sind allgemein bekannt. Hier wollen wir mit unserem Gemeinschaftsleben ansetzen und diese Dinge wieder ins Gesunde bringen, ins „menschengemäße“.

Sich selbst wieder finden und ein zu Hause haben

Wie bereits beschrieben, möchten wir die sogenannten Missstände unserer modernen Gesellschaft umgestalten, so dass Menschen sich wieder mehr „zu Hause“ fühlen können in ihrem Leben und bei ihrer Arbeit sowie auch schwierige Lebenssituationen in Würde meistern können.

Wir wollen uns dafür entscheiden, Mit-Mensch zu sein, dort zu helfen und zu stützen, wo es gebraucht wird, hier Unterstützung anzunehmen, wo wir sie selbst benötigen. Wir wollen das nicht „verrechnen“, sondern als Selbstverständlichkeit tun und erleben. Wir können dabei die Erfahrung machen, dass wir zunehmend wieder lernen, dem Leben und den Menschen zu vertrauen, wir lernen auch, uns selbst mehr zuzutrauen.

Bei all dem werden wir immer unabhängiger von Geld, da wir durch die gegenseitige Nachbarschaftshilfe entlastet werden. Wir lernen auch, uns selbst in unseren Aufgaben und unsere Mitmenschen in ihrem Tun mehr wert zu schätzen und zu achten.

Die aus freiem Willen gewählte Sippe

Was einstmals von Familien, Dorfgemeinschaften und Gemeinden geleistet wurde, und zum Teil „unfreiwillig“ getan wurde, muss heute von uns aus freien Stücken gewollt und geübt werden. Mit zumeist uns vorher fremden Menschen wollen wir uns zusammentun und unser Leben bewusst gestalten.

Jedoch nicht so, wie in der „guten alten Zeit“, wo der moralische Druck und die familiären Ansprüche zu Unfreiheit und Zwang werden konnten. Wir wollen uns selbst täglich dafür entscheiden, für eine bessere, menschenfreundlichere Gesellschaftsform einzusetzen, in der jedes Mitglied der Gruppe seinen Beitrag leistet und seine Fähigkeiten zum Wohl der Gruppe einbringt. Die Gruppe ist so „reich“, wie jeder einzelne bereit ist, sich und seine Gaben einzubringen.

WIR als Lebensschule

Dies ist ein Prozess, den man täglich geht und übt. Man lernt stets dazu, zum Teil gerne auch unterstützt von „Fachleuten“, die sich mit Gruppenbildung und Gruppenprozessen gut auskennen. Wir werden alle miteinander Lernende sein und wollen auch anderen Menschen anbieten, von uns zu lernen.

Das Leben in einer Gruppe funktioniert nicht von selbst, es muss bewusst gestaltet werden, auch Konflikte wollen auf eine neue, bessere Weise gelöst werden. Das wird vielleicht kein bequemes Leben sein, aber Bequemlichkeit ist nicht unbedingt der beste Entwicklungsförderer. Und die Menschen haben inzwischen ihre Bequemlichkeit satt: allein zu Hause auf ihrem Sofa ihr Leben zu fristen und ohne Hilfe und Unterstützung zu sein, wenn man sie braucht, ohne das schöne Gefühl im Bauch, dass das eigene Leben Sinn macht und man erwünscht ist… Geteilte Freud ist doppelte Freud!

Und die heutige Zeit zeigt uns doch seit Jahren: es wird keine Zukunft geben, wenn wir uns nicht eine gestalten, die sich lohnt, zu erleben, der wir unsere Kinder mit gutem Gefühl anvertrauen können.

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