Das von Johann Wolfgang von Goethe geschiebene Gedicht „Der Zauberlehrling“ (siehe unten angefügt) könnte aktueller nicht sein. Damals möglicherweise „nur“ eine Warnung, heute aber in großer Not schaut man darauf und muß erkennen:
Der Zauberlehrling wurde (damals) von seinem Meister gerettet.
Wir heutigen Menschen wurden in unsere Freiheit entlassen, auf eigenen Verstand und eigene Beine gestellt. Es wird uns kein Meister zu Hilfe eilen.
Die Warnung hat der Wind davon getragen, ungehört, unverstanden. Die Menschheit scheint seit langem zu verharren im größten Irrtum aller Zeiten:
„… Nun erfülle meinen Willen! …“
Da ist wohl „Wille“ falsch verstanden, und „Freiheit“ scheint es nicht zu geben, solange man darunter versteht, man könne nach Lust und Laune seinen niederen Trieben nachgehen. Sich von ihnen treiben und beherrschen zu lassen. Das Ergebnis zeigt sich allzu lange schon:
„ … O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still! …“
Da ersauft ein Teil der Menschheit in den gierig herbei gerufenen Wasserströmen. Die Seele ist es im Grunde, die da ertrinkt, zugrunde geht. Während der Rest der Menschheit verdurstet. An Leib und Seele.
Es muß keiner verdursten, wenn nicht andere die Wasserströme nur so laufen lassen in Unverstand, Gier und Egozentrik.
Oder:
Es kann der Reiche nur reich sein, weil es so viele Arme gibt. Es gibt die Armut nur, weil es den sich selbst vermehrenden Reichtum gibt. Von welchem Blickwinkel aus ein jeder selbst auf dieses Gedicht schaut, kann er die Bestätigung finden, öffnet er Augen und Ohren für seine ganz eigene Mitwelt, für seine Mitmenschen, direkt vor seiner eigenen Nase.
Dann erkennt man im „Wasser“ alles mögliche.
Was ist mit all den Geldströmen, die immer und immer ungebremst in die selbe Richtung fließen?
Ist das wirklich Finanzpolitik, an der „ich als Einzelner nichts ändern kann“?
Ein kleines Beispiel hierzu kann die peinliche Wahrheit ins Tageslicht stellen:
Da kommt eine Mieterhöhung ins Haus. Und ja, sie ist völlig „rechtens“! Innerhalb von 3 Jahren kann die Miete um jeweils 20% erhöht werden.
Also:
Vor 3 Jahren eine Erhöhung um 20%.
Heute nochmal um 20%.
In 3 Jahren nochmal um 20%.
Auch so entsteht Not und Armut. Das ist „Recht und Gesetz“ in unserem Land.
Hat man das richtig gelesen, liest man aber auch: „… kann …“. Es steht da nicht „muß“!
Immer, wirklich immer, werden die Zustände und die zunehmende Not und Verzweiflung, und auch der derzeitige offensichtliche Untergang jeglicher Menschlichkeit und Kultur von den täglichen Entscheidungen einzelner Menschen aus freiem Willen und zumeist ohne Not heraus gemacht.
Es sind nicht „die da oben“!
Ein anderes Beispiel:
Es ist völlig rechtens in unserem Land, in unserer Welt, „Geld für sich arbeiten zu lassen“. Geld arbeitet nicht. Es arbeiten Menschen. Die derjenige nicht anschauen muß, der sein Geld, welches er offenkundig nicht für seinen Lebensunterhalt braucht, sondern welches „übrig“ ist, gewinnbringend „investiert“ oder „anlegt“. Solche Menschen etwa, die alle 3 Jahre 20% mehr Miete bezahlen müssen.
Wer Geld hortet, welches er nicht braucht, während seine Brüder und Schwestern Not leiden, hat den Christus nicht verstanden, weil er ihn nicht verstehen will.
Ein anderes Beispiel:
Wessen Vorfahren, wodurch auch immer, in den „Privatbesitz“ von Grund und Boden kamen, hat für sich und seine Nackkommen auf Ewigkeit ausgesorgt. Da es nur begrenzt Boden gibt, bedeutet das: auf Ewigkeit ist in Stein gemeißelt, dass dieser Privatbesitz immerzu vererbt wird an die eigenen, wodurch der Rest der Menschheit auf Ewigkeit davon ausgeschlossen bleibt und zufrieden sein muß mit „alle 3 Jahre 20% mehr berappen“.
„privare“ bedeutet übersetzt: rauben
Es wird der Gemeinschaft der Menschen auf ewig geraubt und vorenthalten. So das sogenannte „Recht und Gesetz“.
Muß man? Nein, das muß man nicht. Es ist und bleibt alles Elend, alle Not der Welt, alles Leid und alle Verzweiflung direkt vor der eigenen Nase immer eine eigene Verantwortlichkeit. Eine eigene Entscheidung.
Die schlechte Nachricht:
Wir müssen es selbst richten. Jeder einzelne.
Die gute Nachricht:
Wir können es. Wenn wir wollen. Sofort.
Jeder kann heute, jetzt sofort, begreifen und täglich die Entscheidung treffen:
Wem folge ich:
Niederen Trieben oder dem Christus?
Der Zauberlehrling
Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort‘ und Werke
Merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.
Walle! Walle!
Manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.
Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!
Walle! Walle!
Manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.
Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!
Stehe! Stehe!
Denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
hab ich doch das Wort vergessen!
Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.
Nein, nicht länger
kann ich’s lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!
O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!
Willst’s am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.
Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!
Wehe! Wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!
Und sie laufen! Nass und nässer
wird’s im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist gross!
Die ich rief, die Geister,
werd ich nun nicht los.
»In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid’s gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.«
(Johann Wolfgang von Goethe)