Und sofort damit anfangen.
Alle klagen über die sprunghaft steigenden Mieten und die Knappheit von Wohnraum. Und oft wird so getan, als ob es ein Naturereignis sei. Niemals liest oder hört man, dass es die Gier von Menschen ist, die dazu führt. Es ist politisch gewollt und seit Jahrzehnten systematisch voran getrieben. Und dabei gibt es wenige Gewinner (Eigentümer) und ganz viele Verlierer (Mieter). Aber es geht auch anders!
Das Mietshäuser Syndikat
Hier haben viele Menschen unglaublich viel Mut bewiesen und mit persönlichem Risiko und viel Schweiß und Arbeit, aber auch mit Durchhaltevermögen das Projekt gestartet. Doch lesen Sie selbst.
„Freiburg im Breisgau, wir schreiben das Jahr 1989. Bereits zehn Jahre Häuser- und Mietkampfgeschichte liegen hinter
uns. Davon fünf Jahre wechselhafte Auseinandersetzungen um den Erhalt der ehemaligen Grether’schen Fabrik. Die befindet sich in Freiburgs einzigem offiziellen Sanierungsgebiet, auf 5.200 m2 städtebaulichem Filetgrundstück direkt am Bahnhof und am Rand der Innenstadt. Der Gemeinderatsbeschluss von 1983, ein kleines Wunder, beendet vorläufig die jahrelange Androhung der Zwangsräumung durch die Grundstückseigentümerin. Es folgen fünf Jahre „Kampfmauern“: Die Grether-Baukooperative verbaut rund 500.000 DM Baukredite und viel unbezahlte Eigenleistung in die ehemalige Maschinenhalle (heute „Grether West“), in ein Gebäude, das ihr nicht gehört. Diese 500.000 DM echtes „Risikokapital“ stammen von solidarischen DirektkreditgeberInnen.“

„Das Haus gehört seit 1983 der Stadt Freiburg, deren Verwaltung beharrlich alles dransetzt, die in ihren Augen unerwünschten Investoren doch noch an die Luft zu hebeln – trotz anderslautenden Gemeinderatsbeschlüssen und parallelen Kaufverhandlungen. Es wird weiter gebaut. Die Grether-Pioniere ziehen in die ersten Wohnungen. Das damals illegale erste Freie Radio Dreyeckland findet eine halbwegs sichere Heimstatt. Die Riesen-Razzien mit Sendersuche bringen verstärkte Aufmerksamkeit. Das Strandcafé entwickelt sich zum Szenetreff und wird von den Behörden als illegale Gaststätte taxiert. 1986 schließlich tritt der Regierungspräsident persönlich auf den Plan und verlangt in einem detaillierten Maßnahmenkatalog von der Stadt, dem radikalen Treiben ein Ende und die Baukooperative an die Luft zu setzen. Der Präsident scheitert. Die Geschichte endet gut. Die Vertreter der Stadt Freiburg und der Grether-Baukooperative unterschreiben Ende 1987 beim Notar einen ganz passablen Vertrag über ein Erbbaurecht inklusive Gebäudekauf, mit einer unvorstellbar langen Laufzeit bis zum 31.12.2062. „
(Aus der Info-Broschüre des Mietshäuser Syndikats)
Soweit der Anfang. Das Projekt entwickelte sich, viele Menschen fanden ein Heim, Gewerbetreibende ihre Wirkstätte. Die Kredite wurden durch das Nutzungsentgeld (Miete) der Nutzer getilgt.
Jetzt könnten sich die Beteiligten zurücklehnen und ihren Erfolg genießen. Schließlich waren die riesigen Flächen aus der üblichen Mietpreissteigerung der umliegenden Häuser herausgetrennt worden, die Mieten blieben stabil. Zusätzlich fielen die Finanzierungskosten mit der Zeit, da manche Darlehen bereits getilgt waren. Nach längeren Diskussionen entschieden sich die Aktivisten, diese Mietpreisvorteile nicht für sich allein zu behalten, sondern damit weiteren ähnlichen Initiativen den Start zu ermöglichen. So entstand das Syndikats-Modell.
Und das funktioniert so:
Menschen, die gemeinsam leben oder ein Haus bewohnen möchten, schließen sich zu einem Verein zusammen. Sie suchen sich eine geeignete Immobilie und planen die Finanzierung und den Umbau. Vertreter des Syndikats beraten sie dabei.
Gemeinsam organisieren sie die Finanzierung des Kaufes und der erforderlichen Renovierungen durch eigene Mittel, Direktkredite und Bankdarlehen sowie ggf. öffentliche Förderungen.
Es wird eine GmbH gegründet, welche nur 2 Gesellschafter hat: Der Haus-Verein und das Mietshäuser Syndikat. Diese GmbH kauft das Haus und vermietet es an den Haus-Verein, der wiederum die einzelnen Wohnungen an seine Mitglieder vermietet. Das Syndikat hat ein Vetorecht bei wichtigen Fragen wie z.B. Verkauf oder Umnutzung des Hauses. Darüber ist der Verkauf oder die spekulative Verwertung blockiert, das Haus somit dem ‚Markt‘ mit seiner leidigen Preissteigerungsspirale entzogen.
Die Mieten für die Nutzer bleiben stabil, weil keine Preissteigerung stattfindet. Die Kosten sinken sogar, weil mit der Zeit Kredite zurückgezahlt sind.
