„FRIEDEN!“ – dieses Wort ist seit längerem in aller Munde. Wird ja auch Zeit, sollte man meinen.
Es geht also endlich einmal voran, in die richtige Richtung. Nie war die Sehnsucht nach Frieden und der Wille, nun endlich sich dafür hinzustellen, den Mund aufzutun, seine vielen alltäglichen Entscheidungen und Taten genau darauf auszurichten. Frieden – das ist nun der Leitstern der Menschen allüberall. So, wie der Frühling jetzt durch die Lande zieht, unaufhaltsam mit einer unbeugsamen Kraft, lebenspendend, Hoffnung bringend, kann man es erleben. Geradezu ansteckend ist es, eine Frohe Botschaft von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz.
Soweit mein Traum.
Noch scheint es nicht so recht wahr zu sein. Das kann aber noch werden. Vielleicht dann, wenn eine Art Kipp – Punkt erreicht ist. Wenn die systematisch produzierte Gewohnheit an Krieg, wenn dieses Wort Krieg im Alltag, überhand nimmt, alles und gar alles beginnt, zu vergiften. Oder wenn er näher rückt, immer näher. Wenn es so langsam persönlich spürbar wird auch für jene, die die vielen dahinter laufenden Kriege der vorwiegend letzten Jahre nicht wahrhaben wollten oder konnten. Wenn sie jeden Tag die Folgen spüren, die schon da sind oder die Folgen erahnen, die noch kommen werden. Unausweichlich. Wenn nicht irgend was geschieht. Wenn nicht irgendwer endlich was dagegen tut.
Bis dahin informiert man sich natürlich. Entweder mit Hilfe des staatlichen „Mainstreams“ oder des alternativen „Mainstreams“. Damit man Bescheid weiß über den Krieg. Man muß am Ball bleiben. Sogar innerhalb eines Tages ändert sich so vieles. Hin und her und wieder zurück. Die Neuigkeiten, Einschätzungen von Experten, Berichterstatter vor Ort, all das knallt einem fast im Minutentakt um die Ohren. Wir kennen sie, mit ihrem Namen und all dem, die Kriegsmacher und Kriegstreiber, die Kriegshandlanger und alle diese. So gräbt sich der Krieg in alle Köpfe und Herzen. Kaum Platz mehr für etwas anderes.
Das ist ja nun auch das Wichtigste!
Wirklich?
Wo ist aber der Frieden hin? Ist noch Platz dafür? Hat man noch Zeit dafür? Wo sind die Experten? Wo sind die Macher? Wer und wo sind die Friedenstreiber? Wo sind die Aufrufe und alles das? Knallt einem das auch im Minutentakt um die Ohren?
„Das ist nicht so einfach mit dem Frieden.“
„Frieden, das ist eine Illusion, der Mensch an sich ist zu schlecht dafür.“
„Das alles ist so komplex, wir einfache Menschen können das nicht begreifen. Das müssen die Experten machen.“
„Wie soll man das für alle Menschen auch herstellen können. Das geht doch gar nicht.“
„Da müßten alle mitmachen. Im Alleingang geht das nicht.“
„Was kann ich schon? Das müssen die Regierungen machen.“
„Was ist Frieden überhaupt?“
Vielleicht genügt es für den Anfang, den Frieden zu wollen mit aller Kraft. Ihm eine Priorität im Leben zuordnen. Erkennen, dass es nicht allzuviel braucht. Daß man noch heute damit beginnen kann.
So schwer zu begreifen ist das gar nicht.
So schwer, dies allen Menschen zu ermöglichen, ist das gar nicht.
Eine Gesellschaft könnte das sehr leicht umsetzen, ermöglichen.
Wenn sie wollte.
Einzelne Menschen könnten das ebenso ganz einfach umsetzen, für sich und füreinander.
Wenn sie wollten.
Man müßte nur mal damit anfangen.
Und nicht mehr damit aufhören.
Beharrlich daran festhalten, daß das so sein muß. Für alle.
Du und ich. Wer sonst.
„Brot zu haben, leben zu können, gehört zum Frieden.
Nicht hungern zu müssen, um das Überleben nicht kämpfen zu müssen, ist Frieden.
Einen Platz zu haben, von dem einen keiner verdrängt, ist Frieden.
In einer Gemeinschaft zu leben statt allein, ist Frieden.
Eine Aufgabe zu haben, die mehr ist als das tägliche Herbeischaffen von Nahrung,
die Sinn hat und Erfüllung gibt, ist Frieden.
Ein Haus zu haben, einen Tisch, einen Menschen, der einen versteht:
Dies alles ist Frieden.“
Jörg Zink